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Höhle der Löwen

Warum platzen Deals nach Die Höhle der Löwen? Rund 24–40 %

6 Min. Lesezeit

Dunkles Produkt mit goldenen Details auf einem runden Podest, angestrahlt von einem Scheinwerfer vor dunklem Hintergrund.
Viele Deals scheitern nicht in der Sendung, sondern erst danach – in der Due Diligence und den Vertragsverhandlungen.

Zwei Gründer stehen in der Höhle, ein Löwe streckt die Hand aus, die Musik schwillt an. Der Deal scheint perfekt. Doch Wochen später ist von dieser Einigung nichts mehr übrig. Warum platzen Deals nach Die Höhle der Löwen so häufig, obwohl doch alles vor der Kamera besiegelt wirkte?

Die Antwort liegt in einem entscheidenden Detail: Der Handschlag in der Show ist keine rechtlich bindende Vereinbarung. Er ist eine Absichtserklärung, mehr nicht. Der eigentliche Vertrag entsteht erst nach einer gründlichen Prüfung, die sich hinter den Kulissen abspielt. Und genau dort scheitern viele Deals, die im Fernsehen noch so überzeugend wirkten.

Das ist kein Zufall und auch kein Versagen der Show. Es ist normales Investitionsgeschäft. Auf VOX sehen Zuschauer vor allem Emotionen und Unterhaltung. Die echte Arbeit beginnt danach.

Was passiert nach dem Handschlag wirklich?

Sobald die Kameras aus sind, starten die Investoren die sogenannte Due Diligence. Dieser Begriff aus der Finanzwelt beschreibt die systematische Prüfung aller relevanten Unterlagen eines Unternehmens: Umsätze, Margen, Kosten, Verträge, Patente, Markenrechte, bestehende Investoren und vieles mehr.

Das dauert oft Wochen. Carsten Maschmeyer und Ralf Dümmel haben beide öffentlich erklärt, dass nach der Aufzeichnung stundenlange Meetings stattfinden, bei denen die echten Zahlen und die persönliche „Chemie“ zwischen Investor und Gründer geprüft werden.

Falsche oder zu optimistische Angaben sind dabei der häufigste Stolperstein. In der Aufregung des Pitches nennen Gründer manchmal Umsatzzahlen oder Margen, die einer genauen Prüfung nicht standhalten. Versteckte Schulden, unklare Beteiligungsverhältnisse oder bereits bestehende Investoren mit Sperrminorität können einen Deal ebenso schnell beenden. Eine Sperrminorität bedeutet, dass ein bestehender Gesellschafter bestimmte Entscheidungen blockieren kann.

Daneben spielen rechtliche Hürden eine große Rolle. Markenrechte, Patente oder Lizenzen sind manchmal nicht sauber im Unternehmen verankert, angreifbar oder mit Risiken belastet, die in der kurzen Pitch-Zeit nicht erkennbar waren. Auch Unterlagen, die zu spät oder unvollständig nachgereicht werden, führen regelmäßig zum Ende der Verhandlungen.

Ein weiterer Faktor sind Nachverhandlungen von Gründerseite. Manche Gründer merken nach der Sendung, dass sie unter Aufregung und Kameradruck Bedingungen akzeptiert haben, die sie so nicht wollten. Sie fordern dann plötzlich eine höhere Unternehmensbewertung oder wollen weniger Anteile abgeben. Das empfinden viele Investoren als Vertrauensbruch.

Strategische Differenzen kommen ebenfalls vor. Ein Löwe will einen schnellen Rollout in den Massenmarkt, die Gründer wollen lieber nachhaltig und nischenorientiert wachsen. Diese unterschiedlichen Vorstellungen lassen sich manchmal nicht unter einen Hut bringen. Ebenso kann das Produkt am Ende einfach nicht ins Portfolio oder den Vertrieb des jeweiligen Investors passen.

Wie viele Deals scheitern tatsächlich?

Die Zahlen sind aufschlussreich. In den ersten beiden Staffeln lag die Platzquote laut Auswertungen bei rund 75 Prozent: Von 35 Deals scheiterten 26. Das klingt dramatisch, und das war es auch.

Mit der Zeit haben sich die Abläufe professionalisiert. Eine Analyse des Wirtschaftsinformationsdienstleisters Creditsafe, die die Staffeln 1 bis 6 umfasste, kam auf etwa 24 Prozent: 44 von 178 Deals kamen nicht zustande. Andere Auswertungen sprechen je nach Zeitraum von 24 bis 40 Prozent. Das heißt grob: Jeder vierte Deal platzt auch nach einer sorgfältigen Prüfung.

Interessant ist dabei der Unterschied zwischen den einzelnen Investoren. Ralf Dümmel kommt auf eine Abschlussquote von häufig über 80 bis 90 Prozent und gilt damit als derjenige mit der konstantesten Erfolgsrate. Bei anderen Löwen, etwa Frank Thelen, Judith Williams oder Carsten Maschmeyer, lag die Quote spürbar niedriger. Das liegt unter anderem daran, dass Dümmel als Handelsprofi mit einem klaren Vertriebsnetz arbeitet und deshalb schneller einschätzen kann, ob ein Produkt wirklich zu ihm passt.

Deshalb lohnt sich auch ein Blick auf die Besetzung des Rudels: Die Höhle der Löwen hat jetzt acht Investoren im Rudel, was zeigt, wie sehr das Format gewachsen ist und wie unterschiedlich die Investitionsansätze der einzelnen Löwen sind.

Kurz gesagt: Ein geplatzter Deal ist kein Beweis dafür, dass eine Idee schlecht ist. Er zeigt oft nur, dass die Voraussetzungen für eine langfristige Partnerschaft zwischen diesen beiden Seiten zu diesem Zeitpunkt nicht gestimmt haben.

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FAQ: Häufige Fragen zum Thema

Ist der Handschlag bei Die Höhle der Löwen rechtlich bindend?

Nein. Der Handschlag in der Sendung ist rechtlich eine Absichtserklärung. Ein bindender Vertrag kommt erst nach der Due Diligence zustande, also nach der vollständigen Prüfung aller Unterlagen, Zahlen und Rechte.

Welcher Löwe hat die meisten Deals erfolgreich abgeschlossen?

Ralf Dümmel gilt über die Staffeln hinweg als der Investor mit der höchsten Abschlussquote. Sie liegt häufig bei 80 bis 90 Prozent. Das ist deutlich mehr als bei den meisten anderen Löwen.

Können Gründer einen Deal auch selbst ablehnen?

Ja, durchaus. Manche Gründer ziehen nach der Sendung zurück, weil ihnen die Bedingungen zu hart erscheinen, weil sich das Geschäftsmodell verändert hat oder weil sie zwischen Aufzeichnung und Ausstrahlung andere Investoren gefunden haben.

Was genau prüfen die Löwen bei der Due Diligence?

Geprüft werden unter anderem: Umsätze, Margen, Produktionskosten, Finanzprognosen, bestehende Schulden, Beteiligungsverhältnisse, Patente, Markenrechte und die rechtliche Struktur des Unternehmens. Auch die persönliche Zusammenarbeit wird in dieser Phase eingeschätzt.

Was passiert mit Produkten, deren Deals geplatzt sind?

Viele dieser Unternehmen laufen trotzdem weiter, manchmal sogar erfolgreicher als gedacht. Der TV-Auftritt selbst sorgt oft für so viel Aufmerksamkeit, dass das Unternehmen auch ohne den jeweiligen Investor wächst. Der sogenannte „Höhle der Löwen“-Effekt wirkt also unabhängig vom Dealausgang.

Warum sieht man in der Sendung so selten, dass ein Deal platzt?

Die Sendung zeigt die Aufzeichnung, nicht die Nachverhandlungen. Zwischen Aufzeichnung und Ausstrahlung vergehen Monate. Die Information über einen geplatzten Deal kommt deshalb oft erst viel später, manchmal durch Medienberichte oder durch Aussagen der Gründer selbst.

Warum platzen Deals nach Die Höhle der Löwen so oft? Weil Show und Investition zwei verschiedene Dinge sind. Was Millionen Zuschauer auf VOX sehen, ist ein emotional aufgeladener Moment. Was danach folgt, ist nüchternes Unternehmensrecht. Und dort entscheidet nicht der Applaus, sondern die Substanz.

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